» Vereinschronik

75 Jahre BSV 1928 e. V .

In der Bibel steht zu lesen "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein". Er braucht z.B. auch Unterhaltung, geistige Anregung, Beschäftigung, den Umgang mit Menschen auf anderen Ebenen.

Vielleicht haben sich das Richard Ebinger, Wilhelm Lauster und Friedrich Rössler auch gesagt. Sie waren es nämlich, die am 11. Febr. 1928 im Gasthof "Zum Bahnhof" in Fellbach den BSV gründeten. Erklärte Absicht war es, "Unterricht in Philatelie" zu vermitteln.

Laut "Meyers Neues Lexikon" ist unter Philatelie (Briefmarkenkunde) zu verstehen: "Systematisches Sammeln, Erforschen und Auswerten von Postwertzeichen sowie anderen postal. Materialien, die registrierend (nach dem Vollständigkeitsprinzip anhand eines Kataloges) oder thematisch (in freier Gestaltung) zusammen getragen werden."

Die Gründungsväter wussten das umzusetzen und waren in diesem Bemühen erfolgreich. Ihnen und ihren Nachfolgern gelang es, einen kleinen, aber feinen Verein auf die Beine zu stellen und 75 Jahre am Leben zu erhalten. Der Name Fellbach war und ist in Philatelisten - kreisen ein Begriff. Es gab Höhen und Tiefen in der Vereinsgeschichte. Das war schon durch die unterschiedlichen wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse bedingt. Hin und wieder gab es auch Spannungen im mitmenschlichen Bereich. Das ist normal und kann sich durchaus positiv auswirken. Wo keinerlei Spannungen sind, macht sich längerfristig Lethargie breit. In der Kürze seien einige Tatbestände und Episoden (soweit bekannt) in Erinnerung gerufen.
Die Aufnahmegebühr in den Verein betrug 1,- RM im Jahr 1928, der Monatsbeitrag 30 Pfennige. Auf der 1. Generalversammlung am 12.1.1929 zählte der BSV 20 Mitglieder. Die Weltwirtschaftskrise und hohe Arbeitslosigkeit setzten dem Verein zu. Man gab aber nicht auf. Im Gegenteil! Im Nov. 1931 veranstaltete der Verein im damaligen Vereinslokal "Harmonie" in Fellbach des Sammlerfreundes Gustav Hölder seine 1. Werbeschau -mit unerwartet großem Erfolg.
Die Vereinsarbeit trug Früchte. Immer öfter beteiligten sich Vereinsmitglieder an Ausstellungen im ganzen Deutschen Reich. Die Fellbacher sammelten im wahrsten Sinne des Wortes Gold-, Silber- und Bronzemedaillen sowie Ehrenpreise. Auf der "PEXIP" im Juni 1937 in Paris waren insgesamt 24 Exponate aus Deutschland zugelassen. Allein drei davon stammten aus Fellbach! Alle drei Sammlungen der Vereinsmitglieder Ebinger, Hölder und Schaible wurden ausgezeichnet.
Die 30er-Jahre waren die erfolgreichsten Jahre in der Vereinsgeschichte.
Die politischen Ereignisse/Entwicklungen blieben nicht ohne Auswirkungen auf das Vereinsleben. Der Kriegsausbruch 1939 brachte natürlich auch einschneidende Veränderungen mit sich.
Im Mai 1941 wurde der Verein zwangsweise in die KdF-Sammlergruppe eingegliedert. Eine wesentliche Änderung hatte das für den Verein nicht zur Folge. Er blieb geschlossen beisammen, lediglich der Name hatte sich geändert. Bis Kriegsende ging das Vereinsleben in loser Form, quasi auf "Sparflamme" weiter.
Nach dem Kriegsende 1945 herrschte Stillstand. Umso erstaunlicher ist es, dass schon am 15.9.1945 der BSV als einer der ersten Vereine im Lande wieder ins Leben gerufen wurde und buchstäblich aus Ruinen auferstand. Ein Verdienst der Sammlerfreunde Rössler und Ebinger. Am 6.3.1948 feierte der BSV im Evang. Vereinsheim in Fellbach sein 20jähriges Jubiläum. Zum Gelingen waren vom Teilnehmer an Lebensmittelmarken abzugeben: 50 g Fleisch, 5 g Fett, 100 g Nährmittel und 200 g Kartoffeln. Der Unkostenbeitrag betrug 10,- RM.
Im Jahre 1947 hatte sich in Stuttgart der Sammlerverein "Phila" gegründet. Die Gruppe Fellbach dieses Vereins schloss sich am 2.4.1949 dem BSV an. Eine Zersplitterung der Fellbacher Sammler wurde damit vermieden.
Zielbewusst und getreu dem Gründungsprotokoll wurde danach Vereinsarbeit betrieben. Wieder mit Erfolg. In Kurzfassung dazu einige Daten:

Juni 1950: 1. Werbeschau nach dem Krieg
März 1953: Festabend anlässlich des 25jährigen Bestehens im "Adler"in Fellbach
April 1962: "felba 62" -Ausstellung anl. des 100jährigen Bestehens Des Postamtes Fellbach
Mai 1968: Werbeschau u. 40jähr Jubiläumsfeier in Stadthalle und Sportheim Fellbach
März 1978: "Felba 78" -Ausstellung u. 50jähr. Jub.Feier in der SLH Fellbach
Nov. 1980: Gemeinsamer Großtauschtag Schwaben Stgt. und BSV Fellbach in der SLH
April 1982: Großtauschtag in der SLH Juni 1986: Briefmarkenschau zur 3. Triennale Kleinplastik in der SLH Fellbach
März 1988: 60-Jahrfeier in der SLH Fellbach
Okt. 1997: Gestaltung/Entwurf eines Sonderstempels zum 50. Fellbacher Herbst durch Ottmar Lachmann
April 1998: Werbeschau in der Kreissparkasse.
April 2008 Südwest 2008 Briefmarkenausstellung im Rang 2 mit 10.Deutsch-Portugisischer Ausstellung
Okt 2014 Freigabe des Sonderstempels zur
50jährigen Städtepartnerschaft Fellbach/Tain l'Hermitage
Nov 2014 FELBA2014 - Briefmarkenausstellung im Rang 3

Auch nach dem Krieg beteiligten sich Vereinsmitglieder immer wieder mit Erfolg an Wettbewerbsausstellungen. Auf der" Wüposta" 1951 erwarben sich die BSV-ler gar den Ruf der Medaillenjäger.
Der BSV beteiligt sich am Fellbacher Herbst und hat von Beginn an die Aktivitäten zum "Fellbacher Ferienspaß" mitgetragen. Auch das private Miteinander kommt nicht zu kurz:

Interessante Jahresausflüge, Sommerfeste und Familienabende sorgen dafür.
Ein ganz großes Problem nach dem Krieg war es, immer ein geeignetes Vereinslokal zu finden. Man traf sich u.a. im Bären und "Löwen", in der "Harmonie", im "Undenhof" , durfte im Katholischen Gemeindesaal, in der SLH (Kepler Zimmer) und auch in der Musikschule (zusammen mit der Kreisjäger-Vereinigung) gastieren. Die Raumverhältnisse ließen manchmal schon zu wünschen übrig.

Insofern freuen wir uns wirklich darüber, dank der intensiven Bemühungen unseres damaligen Vorsitzenden Ottmar Lachmann, die heutigen städtischen Räume im Ortsteil Schmiden nutzen zu können. Wobei wir ohne Überheblichkeit in Anspruch nehmen dürfen, durch Eigenarbeit vieler Vereinsmitglieder zum Gelingen beigetragen zu haben. Nach Jahren der Wanderschaft haben wir endlich ein adäquates Vereinslokal! Wir fühlen uns wohl darin und danken der Stadtverwaltung, dass sie dies ermöglicht hat.

Seit 1928 hat sich in der Philatelie vieles verändert. Es wird anders gesammelt, Generalsammlungen sind eher Vergangenheit, dafür nimmt die Spezialisierung zu. Die Qualitätsanforderungen sind andere geworden. Fälschungen haben eher zugenommen und sind aufgrund technischer Möglichkeiten oftmals selbst vom Sammler kaum noch zu erkennen. Und leider muss auch gesagt werden, dass das Ideelle heute ab und an hinter dem Materiellen zurück steht. Postverwaltungen übertreiben es zu oft mit ihrer Ausgabenpolitik. Technische, wirtschaftliche und auch gesellschaftliche Veränderungen spiegeln sich eben auch im Reiche der Philatelisten wider. Trotzdem sage ich aus Überzeugung, dass unser Hobby nicht nur interessant und lehrreich ist, es erweitert den Horizont, dient der Entspannung und verbindet Menschen.

Der amtierende Vereinsvorstand des BSV fühlt sich den Gründungsvätern verpflichtet: Nach bestem Wissen und Gewissen auch weiterhin "Unterricht in Philatelie" im weitesten Sinne zu vermitteln.

Herzlich willkommen im BSV Fellbach 1928 e. V. !


Die Sammlerfreunde im Jahre 1934

Sammlerfreunde im Jahre 1934

 

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